Max Radler
Aus dem Tagebuch eines Radlers
hier auch als Ebook (ohne Kommentierung von Lesern, s.u.)
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Es war einmal ein Fahrradfahrer, nennen wir ihn Max Radler. Wenn er überfahren worden wäre schriebe ich in der Vergangenheitsform. Aber die Vergangenheitsform ist nicht richtig denn viele (auch lebens-)gefährliche Situationen haben er und seine Fahrräder überlebt, weil er selbst meist umsichtig genug war.
Es gibt ihn also immer noch und er strampelt Tag für Tag seinen Weg zur Arbeit in einer 90.000 Seelen Stadt, also fast einer Großstadt mit wunderschönem großen Schloss und vielen Seen in der Stadt und drumherum. Herrliche Radwege führen um die Seen und durch die Stadt. Aber das ist nur ein Traum.
Tagtäglich fährt Max Radler seinen Weg von der Peripherie der Stadt, wo er sich mit seiner Familie vor vielen Jahren ein Häuschen erbaute, zur Arbeit in das Stadtzentrum. Aber auch zu kleineren Einkäufen nutzt er das Rad und freut sich auf größere Touren mit einem Verein. Max Radler verkauft Hotelbetten, Flugzeugplätze, Mietwagen und alles andere was man so für einen rundum gelungenen Urlaub braucht. Und da fährt er in verschiedene Büros. Zwischen einem und sieben Kilometer ist er dann auf dem Rad unterwegs, zumeist die größere Strecke.
Er ist seit vielen Jahren verheiratet mit einer Radlerin, die so manches Mal in seinem Rückenwind hinterherfahren muss, aber somit auch ganz gut vorankommt. Nur der Vollständigkeit halber: manchmal fährt Max auch Auto und kennt also auch die Perspektive der Autofahrer.
Vor kurzem erwarb Max Radler ein schönes Tourenrad, da das alte Rad eines Kaffeerösters bereits nach zwei Jahren einem Vielfahrer nicht mehr Stand hielt und sich durch eine nicht mehr zu beherrschende und zu behebende Geräuschkulisse bemerkbar machte. In einer Reihe vieler Räder im 50jährigen Radlerleben, teils einfach technisch überholt, teils dreistem Diebstahl zum Opfer gefallen, ist das Rad nun auf dem neusten Stand der Technik.
Wie sich bereits nach wenigen Tagen herausstellte, bezüglich der Bremswirkung, auch bitter nötig.
Wenn einer eine (Rad-)Reise tut kann er auch etwas erleben.
Und deshalb schreibt Max Radler seine Erlebnisse in seiner Stadt, auf seinen Wegen mit dem Fahrrad ab jetzt hier auf.
06.10.08
Max Radler fährt stadtauswärts von der Arbeit und freut sich auf seinen Feierabend. Er weiß, dass er eigentlich bis zu einem bestimmten Abzweig auf der falschen Seite auf dem gemeinsamen Fuß-Radweg fährt, tut es trotzdem aber auch umsichtig, um auf dem Nachhauseweg einige Ampeln zu sparen. So ticken sie nun mal die Radfahrer, weiß er auch von seinen Mitradlern. Ampeln werden möglichst gemieden, zumal auch deren Masten entsprechend auf den Fahrradwegen positioniert, nicht zur Sympathie diesbezüglich beitragen.
Angekommen am genehmigten Teil der Strecke geht es bergab. Max gibt Tempo auf’s Rad und lässt sich rollen. Stop! Unsanft wird der vorwärtsweisende Tatendrang ausgebremst durch einen PKW. Der schießt unvermittelt, ohne den von rechts kommenden genehmigten Radverkehr zu beachten, aus einem Parkplatz auf die Straße. Die guten Bremsen sorgen dafür dass Max, wenn auch querstehend, noch rechtzeitig zum Stehen kommt. Ob mit einem Lenkerende eigentlich eine PKW Scheibe zu Bruch geht ? Max lässt den Gedanken wieder fallen.
08.10.08
Max Radler liebt sein Fahrrad aber auch das Organisieren. Deshalb hat er mit seinem Verein und der Polizei als Partner einen Beleuchtungsscheck organisiert. Viele Radler nahmen das Angebot an und lassen sich Ihre Beleuchtung wieder in Ordnung bringen. Ganz hartnäckige „Patienten“ müssen jedoch zum Mechaniker verwiesen werden.
Auf der Heimfahrt, da sperriges Material transportiert werden muss, diesesmal mit dem PKW, zählt Max Radler die beiderseits der Straße ohne Licht fahrenden Fahrradfahrer, er nennt sie „Schwarzfahrer“. Bei zehn Gezählten hört er auf und zweifelt am Sinn der gerade zu Ende geführten Aktion.
13.10.08
Max Radler, ich werde ihn der Einfachheit halber ab jetzt Max nennen, hat heute frei. Für die Versorgung der Fische im Gartenteich ist das Futter ausgegangen. Im nahegelegenen Baumarkt aber zu erstehen. Also setzt sich Max auf sein Fahrrad und kauft ein. Nimmt aber noch einen Umweg auf der Rücktour. An einer viel befahrenen Kreuzung stadtauswärts signalisiert eine Ampel für Radfahrer und Fußgänger leuchtendes Grün, also das Tempo beschleunigt um die Grünphase noch auszunutzen.
Mit dem Vorderrad bereits auf der Straße biegt plötzlich ohne Vorwarnung ein LKW eines Umzugsunternehmens nach rechts ab. Vollbremsung, Rad zurückgezogen uff …. ausatmen. So ein LKW Anhänger schlüge einem vermutlich schwerer als erwartet auf den Magen oder andere Körperteile.
Der LKW biegt auf einen angrenzenden Parkplatz ab und kommt zum Stehen. Max nimmt die Gelegenheit war und fährt zum gerade aus dem Fahrerhaus steigenden Fahrer und redet ihm ins Gewissen nicht unfreundlich aber bestimmt. Dieser nimmt es sichtbar leicht geschockt entgegen. Ein Autofahrer mit einem DU Kennzeichen hält mit offenem Fenster hinter Max und meint im Beisein des Fahrers dass Max noch einmal Glück gehabt hätte. Der LKW Fahrer geht weiter in sich.
15.10.
Bei Max klingelt um 10.00 der Versicherungsvertreter. Vieles wird besprochen Verträge aktualisiert, gerade auch Unfall- und Fahrradversicherung.
16.10.08
Max fährt wie gewohnt zur Arbeit. Es gibt seit einigen Wochen stadtein- und auswärts eine Fahrradspur auf der Straße, die auf einer sehr befahrenen Kreuzung endet. Etwa 100 Meter vor der Kreuzung wird der Fahrradfahrer in die Geradeausspur geleitet und kommt bei roter Ampel inmitten des Autoverkehrs zu stehen. Max fährt entsprechend der Markierung in die nicht mehr extra für Fahrradfahrer ausgewiesene Autospur.
Kaum nach Ende der Markierung biegt ein PKW mit einem NWM Kennzeichen so kurz vor Max in die Spur, dass ihm wiederum nur eine Vollbremsung bleibt, um nicht mit dem PKW zu kollidieren. Max ist in Rage und trommelt dem PKW auf das Heck mit der Reaktion vom Fahrer behupt zu werden. Der Rest des Weges verläuft „friedlich“.
Ein Telefonat beim Versicherungsvertreter zur Abklärung von Unklarheiten aus dem Vortagesgespräch ergab, dass er zufällig auf dem Weg in sein Büro hinter dem besagten PKW stand und die Situation beobachtet hat. Also hätte Max auch dieses mal einen Zeugen gehabt. Max denkt kurz nach mit dem Ergebnis Zeuge gut und schön, aber wenn der gebraucht wird ist es zu spät, vermutlich für den Radfahrer…
Max ist rein alterstechnisch im “Mittelalter” angekommen hat sich also die Hörner schon einige Jahre abgestoßen und ist also aus dem Alter raus oder noch nicht wieder drin, um sich beweisen zu müssen.
Dennoch bewundert er einen etwas betagteren Radler, der stolz berichtet, am Tag wieder einmal über 100 Kilometer unter die Reifen gebracht zu haben. Dessen Mitradler beschweren sich regelmäßig.
Ergebnis der Beschwerde: beim nächsten Mal wird es noch mehr an Strecke. Aber man ist wieder dabei. Wird Max eines Tages auch so ein (Un-) Ruheständler… ?
06.11. 08
Max fährt wieder zur Arbeit heute zur Frühschicht in das Stadtzentrum. Da seiner Meinung nach die ausgewiesene Fahrradspur auf der Straße stadteinwärts zu spät beginnt, biegt er bereits, den Nachfolgeverkehr beachtend, eine Ampel früher auf die doppelspurig befahrene Straße. Der begleitende Fussgängerweg ist sehr schmal, so dass sich dort eigentlich kaum parkenden Autos, Fussgänger und Radfahrer so richtig aus dem Wege gehen können. Dennoch weist ein Verkehrsschild aus, der Radler dürfe den Fussweg benutzen. Müssen, muss er es nicht.
Dieser Tatsache ungeachtet tritt ein Corsafahrer hinter Max geräuschvoll auf das Gaspedal. Bei der nächsten Möglichkeit vorbeizufahren kurbelt ein sehr junger Fahrer die Scheibe herunter um Max mit dem Hinweis belehren zu wollen, er gehöre auf den Fussgängerweg. Was lernen die jungen Leute in der Fahrschule ? Bei dem Schild Radfahren auf dem Fussgängerweg erlaubt, aber keine Pflicht hat er wohl gefehlt.
04.12.08
Max fährt nach seiner gegen 20.00 Uhr endenden Spätschicht in den Feierabend. Bereits am ersten Abzweig muss er auf den Geheweg, der in der Gegenrichtung der Einbahnstraße für Fahrradfahrer freigegeben ist. Da entsprechend schmal, fährt er hier auch vorsichtig um die Fußgänger nicht zu gefährden. Dennoch unerwartet tritt eine Frau und ein Mann aus einem Hauseingang, die Frau mit dem Kommentar, es sei doch kein Radweg. Im Vorbeifahren kommentiert Max für die Frau, dass dieser Fußweg auch für Radler freigegeben ist und erntet ein hämisches Lachen.
23.März 09
Max ist am Abend wieder auf dem Heimweg. Mistwetter… , aber das macht ihm nichts aus. Dennoch will er schnell ins Trockene und hat entsprechend Geschwindigkeit drauf. Aus einer Ausfahrt kommt aus Richtung Automeile ein PKW. Max bremst scharf und nimmt noch wahr wie die Beifahrerin erschrickt und ihrem Mann am Lenkrad zuruft: “Radfahrer”. Max kommt wieder einmal unbeschadet zu stehen.
Er kennt die Situationen mittlerweile zur Genüge. Beim Weiterfahren öffnet der Fahrer die Tür mit der Bemerkung, er hätte mit seinem Auto schon vor Max auf dem Radweg gestanden. Mag ja sein, aber warum und welchen Sinn macht diese Aussage ? Fakt ist, das Vorfahrtsschild mit zwei Pfeilen für Radverkehr aus beiden Richtungen steht vor dem mit roter Farbe gekennzeichneten Radweg.
26.März 09
Aber nicht immer sind es die anderen, die nicht auf die Radler aufpassen, muss Max leider eingestehen. Wieder im Dunkeln unterwegs ist er mit den Gedanken wohl schon daheim. Jedenfalls übersieht er, warum auch immer, beim Überqueren der Fahrbahn ein herannahenden PKW und fährt mit dem Rad seitlich in Selbigen, bleibt aber aufrecht und kommt parallel zum Auto zum Stehen.
Der junge Fahrer hat super reagiert mit einer Vollbremsung, stieg aus und fragte ob Max etwas passiert wäre. Der konnte glücklicherweise verneinen. Und auch eine gute deutsche Fahrradmanufaktur hat Wertarbeit geleistet. Keine Schramme am Rad. Nachdem eventuelle Schäden am Auto im Dunkeln nicht festgestellt wurden, Visitenkarte an den Fahrer des PKW überreicht für eventuelle Eventualitäten und die Fahrt ging weiter. Leider ergab sich am nächsten Tag im Hellen dann doch, dass der PKW an der Stoßstange beschädigt wurde. Versicherung benachrichtigt und die Haftpflicht würde es regeln. Alles in allem Glück gehabt.
Für Max nur eine leichte Zerrung im Bein und eine leichte Quetschwunde am Daumen, die er aber auch erst am nächsten Tag bemerkte. Ob es an dem Schutzengel lag, den Max von seiner Frau geschenkt bekam und den er seither immer im Portmonee dabei hat ?
Mai 09
Max fährt mit seinem Verein gemeinsam mit seiner Frau auf der alljährlichen ADFC Himmelfahrtstour mit. Nach ca. 50 km jedoch streikt seine Frau während die anderen Radler sich munter die hügelige Landschaft bewältigend weiter von der Unterkunft entfernen. Max ebenfalls unter den Voranfahrenden kehrt um und tröstet seine Frau die aufgibt. Also umgedreht und in aller Gemütlichkeit nach einer kurzen Stärkung zurückgeradelt.
Max kommt auf die Idee einmal die Fahrräder zu tauschen und bemerkt schnell, dass es mit dem Rad seiner Frau viel beschwerlicher ist voranzukommen und seine Frau bemerkt das Gegenteil auf Max’ Rad. Die 10 Kilometer auf dem Damenrad bescheren Max einen gehörigen Muskelkater. Also wird sich schnellstmöglich von dem vollgefederten Rad eines Discounters verabschiedet und schon am Montag in ein neues Markenrad aus dem Fachhandel investiert.
So wird aus der hinterherradelnden Ehefrau dann eine “Nebenherradelnde”.
31.August
Eine Gemeinschaftsaktion der AOK und des ADFC wird mit einer kleinen Tour sozusagen “abgeradelt”, also beendet. Max fährt zum Stellplatz. An einer Kreuzung in Richtung Innenstadt, die Ampel zeigt Grün für Fussgänger und Radler, fährt er auf die Straße, während die Autos sowie die Straßenbahn an der roten Ampel die Vorfahrt gewähren müssen.
Plötzlich jedoch schießt ein roter PKW, gefahren von einer jungen Frau aus der Gegenrichtung um die Ecke, so daß Max wieder einmal, da ihn bloss noch eine Vorderradlänge vom PKW trennt, mit einer Vollbremsung zum Stehen kommt und kopfschüttelnd und etwas geschockt die Überquerung der Straße fortsetzt. Trotz lautem Klingeln blieb die PKW Fahrerin sichtbar unbeeindruckt. Oder hat sie Max wirklich nicht wahrgenommen? Da Max noch eine leuchtendgelbe Warnweste des ADFC trug, eher unwahrscheinlich.
Und so hat Max wieder einmal Glück gehabt und wieder gab es viele Zeugen.
25. September 09
Max hat sich entschlossen sein Frontscheinwerfer “upzugraden”. Im Internet gegoogelt gibt es Preisunterschiede von bis zu 20 Euro. Beim preiswertesten Händler bestellt wird das Päckchen bereits nach zwei Tagen geliefert.
Max tauscht den alten Scheinwerfer gegen den neuen aus und freut sich auf die Spätschicht am nächsten Tag auf den Heimweg im Dunkeln. Aber erst einmal testet er den neu eingeweihten Fußgängertunnel der eine Tangent bieten soll zwischen Stadtteilen und Stadtzentrum auf Fahrradfreundlichkeit. Sein Ergebnis ist ernüchtern. Dies teilt er der Lokalredaktion der Presse wie folgt mit:

Nach der Zeitungsmeldung der Eröffnung des Fussgängertunnels in der Lübecker Straße testete ich am Freitag die Fahrradtauglichkeit.
Mein Fazit: Der Fußgängertunnel wird seinem Namen gerecht.Wahrscheinlich reichen den Planern und Bauausführern entsprechend der Norm die Seitenstreifen, um ein Fahrrad daran mühsam treppab und -auf zu balancieren. Fahrradfreundlich ist etwas anderes. Mit dem Fahrstuhl ein 28 Zoll Rad zu transportieren erwies sich als Ding der Unmöglichkeit (s.Bild). Mit weiteren Radlerinnen ins Gespräch gekommen fragte man sich, ob man wohl ein Fahrrad mit besetztem Kindersitz unbeschadet für Mensch und Material auf die andere Seite bekäme. Schade dass es hier wieder einmal von den Verantwortlichen versäumt wurde, die Stadt ein Stückchen fahrradfreundlicher zu gestalten.
26. September
Max radelt mittlerweile im Dunkeln nach Hause und ist begeistert vom neuen Scheinwerfer. Er sollte nun noch besser wahrnehmbar sein aber wiederum nimmt ihm ein aus der Ausfahrt der Automeile kommender Mercedes die Vorfahrt. Am besseren Licht kann es nicht gelegen haben. Kopfschüttelnd setzt er seine Heimfahrt fort und kommt vollends in die dunklen Bereiche ohne Straßenbeleuchtung. Hier zeigt das neue Frontlicht so richtig seine Stärken in wunderbarer Ausleuchtung vor dem Fahrrad. 40 Lux statt 17 sind doch bemerkenswert. Nun muss Max noch durch eine kurze dunkle Gasse. Unversehens kommt ihm aus dieser Gasse ein Radler entgegen mit Hund, beide unbeleuchtet, aber mit Tempo. Ein Crash mit dem entgegenkommenden Radfahrer konnte gerade eben noch verhindert werden. Max kann nicht anders, er brüllt den “Schwarzfahrer” an: Licht an!!! Nach 200 Metern schiebt er sein Rad auf den Hof.
7. Oktober
Max schlägt wie jeden Morgen am Frühstückstisch die Tageszeitung auf. In den Polizeimeldungen liest er, drei Fahrradfahrer kamen bei Unfällen zu schaden, weil diese auf der falschen Seite bzw. ohne Licht unterwegs waren.
8. Oktober
Die Lemming sind wieder unterwegs, sinniert Max, als er nach seinem Dienst, nunmehr im Dunkeln geradelt zu Hause angekommen ist und drei unbeleuchtete Radler beinahe tuschiert hat. Von den “Schwarzfahrern” trugen zwei auch noch dunkle Sachen und das Wetter mit Nieselregen sorgte auch nicht gerade für Weitsicht.
Max Beleuchtung ist weit zu sehen und außerdem hat er an den Packtaschen am Helm und selbst an der Fahrradjacke reflektierende Flächen, gleicht also angestrahlt fast einer Weihnachtsbeleuchtung.
Die Lemminge die Max meint, sind die aus einem Comic , der den kleinen Fantasiefiguren andichtet, sie würden mit Vergnügen über Klippen in den Abgrund springen oder andere selbstmörderische Varianten suchen und finden.
Nur, denkt er sich, die auf den Straßen sind viel gefährlicher, weil sie im Ernstfall auch andere “mitnehmen”.
Und täglich grüßt das Murmeltier, die beschriebenen Ereignisse wiederholen sich ……
Mai 2010
Max wurde infiziert
Da Max auch ein Freund der Technik ist und sich immer auf dem Laufenden hält, hat er sich ein neues Spielzeug zugelegt, ein GPS-gestützen Fahrradcomputer oder besser ein Wander-Radfahr-Streckenvorbereitungs- und Aufzeichnungsgerät. Nachdem er dieses unter die Lupe nahm, fand er ein für ihn unbekannten Button auf dem Bildschirm mit der Bezeichnung Geocaching.
Was ist das?
Bei Herrn Guggle nachgeschlagen wurde ihm erklärt, dies sei eine moderne Schatzsuche mit Hilfe von Koordinaten und zum Aufspüren könne man dieses Gerät benutzen. Das hat Max ausprobiert und es hat Spaß gemacht. So wurde er infiziert vom Geocaching-Virus, also zum Schatzsucher.
Ist der Virus eigentlich ansteckend?
Ja, denn schon nach kurzer Zeit hat er seine Frau damit infiziert. Es ist lustig anzusehen, wenn Max mit seiner Frau durch Wald und Flur radeln, absteigen und ins Gebüsch kriechen zum „Schatz“ suchen und oft auch finden. Dann muss der Fund im Logbuch am Cache und später im Internet eingetragen werden. Caches gibt es übrigens recht unterschiedliche von Einfachen z.B. an Baumwurzeln bis zu Cashes auf Türmen oder an Stellen die beschwerlich zu erreichen sind, aber auch Kleine, Kleinere und Größere.
Und Pssst…., man darf sich dabei nicht beobachten lassen, die Uneingeweihten (Muggels) bleiben außen vor.
Bei einer letzten Caching Tour bekam ein Imbissbesitzer große Augen als Max und seine Frau ihm erzählten, dass Sie auf Schatzsuche seien und schon fündig wurden…
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Übrigens Max hat mit seiner Frau gemeinsam selbst schon zwei Schätze versteckt. Das Ergebnis der Suche lässt sich hier bewundern:
Fortsetzung folgt, wenn es wieder interessante Erlebnisse gibt.
Das hier Beschriebene beruht auf wirklichen Erlebnissen. Es erhebt nicht den Anspruch rechtschreiblicher und grammatikalischer “Perfektion” entsprechend beschlossenenen und wieder geänderten Rechtschreibreformationen.
Der Verfasser hofft es ist trotzdem unterhaltsam und vielleicht regt es den Leser doch auch ein wenig zum Nachdenken darüber an, wie Verkehrsteilnehmer miteinander umgehen.
Max erhielt Ende September von Evelyn folgende Mail
Hallo Max,
Dein Tagebuch habe ich amüsiert gelesen. Ja, das kenne ich auch, zumindest vieles von dem, was Du so erlebt hast. Bei den Lokalitäten konnte ich leider nur raten. Ich kann ja verstehen, dass Du selbst gern anonym bleiben möchtest, aber Straßennamen könntest Du ruhig nennen. Das wären für mich zur besseren Verständlichkeit ganz gut.
Eins meiner schrecklichen Erlebnisse, das sich sogar ab und zu wiederholt ist folgendes: ein langsamer Radler fährt in meine Richtung, Mitte Radweg. Um ihn überholen zu könne klingle ich. Er fährt nach rechts, nett denke ich. Als ich fast auf seiner Höhe bin, fährt er nach links. Zum Glück habe ich auch gute Bremsen. Dann sehe ich, dass er Ohrstöpsel trägt, mich also gar nicht hören konnte. Er hat sich vermutlich nur im Takt der Musik gewiegt. Ist nochmal gut gegangen, aber solche Dinger müssten meiner Meinung beim Rad fahren verboten werden, da muss man doch mit allen Sinnen dabei sein, schon im Interesse der eigenen Gesundheit. Oder?
Schöne Grüße
Evelyn
Susanne schrieb im April 2010 an Max Radler
Lieber Max Radler,
Deine Erlebnisse habe ich mit großem Interesse gelesen! Nachdem ich
einige Zeit in zwei Radler-Hauptstädten Deutschlands wohnen durfte
(Erlangen und Münster), bin ich jetzt seit ein paar Jahren Schwerinerin.
Da mußte ich mich an allerlei Neues gewöhnen.
Wie in anderen Städten auch, so gibt es netterweise in Schwerin
Einbahnstraßen, die in Gegenrichtung für Radfahrer freigegeben sind.
Leider sind sie oft sehr schmal und auf einer – oder sogar beiden -
Straßenseiten durch parkende Autos noch schmaler. Die Folge sind
pöbelnde Autofahrer, die die – korrekt – auf der Straße radelnden
Verkehrsteilnehmer übelst beschimpfen, weil sie nicht zwei Sekunden lang
warten wollen, bis eine breitere Stelle das Überholen möglich macht. DAS
kannte ich bisher nicht … in Münster beschimpfen die Radler die
Autofahrer … (was natürlich auch nicht in Ordnung ist!)
Es fehlen auch die mir sonst bekannten Schilder “Radfahrer von rechts” -
oder sind sie nur gut versteckt aufgestellt?
An der Kreuzung Amts-/Berg- bzw. Münzstraße, also am Ziegenmarkt, können
z. B. Radfahrer von rechts kommen, entgegen der Fahrtrichtung der
Einbahnstraße Bergstraße. Haben die dann eigentlich Vorfahrt gegenüber
der Amtsstraße? Bei “rechts vor links” wäre das der Fall – oder? Müßte
man das nicht ausschildern?
Ganz besonders kopfschüttelnd betrachte ich die Regelung auf der neu
gestalteten Werderstraße. Dort gibt es, wenn man vom Schloß kommt und
nach Norden fährt, zunächst am Fußgängerweg die Beschilderung “Radfahrer
frei”. Wir dürfen, müssen aber nicht – soweit klar. Erst auf Höhe
Marstall, gegenüber dem Großparkplatz, taucht das quer geteilte Schild
auf mit oben Fußgänger, unten Radfahrer. Hmmmm. Müssen, sollen, dürfen
Radler hier nun auf den Fußweg?
Die Regelung “Radfahrer frei” bis über den Wallenstein hinaus finde ich
gut, denn dort ist der Fußweg noch relativ schmal, es ist immer viel
Touristenbetrieb und es würde dort sonst sehr gefährlich. Leider ist das
den Autofahrern nicht einsichtig und wiederholt bekam ich den bewußten
Finger gezeigt oder wurde lauthals unter Verwendung ordinärster
Ausdrücke angebrüllt, ich solle gefälligst auf dem Fuß(!)weg fahren.
Einige Autonummern hab ich mir gemerkt …
In der Gegenrichtung, vom Güstrower Tor kommend, fährt der brave Radler
entlang der Werderstraße gern auf dem Fußweg, der auch lange Zeit breit
ist und Fußgängern UND Radlern Platz gibt. Genau dort, wo aber der
Fußgängerverkehr wegen des Schlosses, des Wallenstein, des Eingangs zum
Staatlichen Museum, der Haltestelle der Sightseeing-Busse am dichtesten
und unübersichtlichsten wird, nämlich kurz vor dem Staatlichen Museum,
wird der Weg sehr schmal – und es fehlen jegliche Schilder. Muß der
Radler, die Radlerin hier auf die Straße? Oder teilt man sich weiterhin
den schmalen und von Bäumen noch verschmälerten Fußgängerweg? Optimal
ist beides nicht.
Dürfen, können Radler eigentlich diese kombinierten Rad-/Fußwege mit dem
quer geteilten Schild in beide Richtungen befahren? Falls ja, ist das
doch eine brandgefährliche Regelung. Falls nein, haben die Schweriner
Radler das noch nicht gelernt! ![]()
Ich habe noch gelernt, daß man die “normalen”, also vom Fußgängerweg
durch andersfarbiges Pflaster oder weiße Begrenzungslinien getrennten
Radwege eben NICHT in die Gegenrichtung befahren darf und bin hier daher
oft sehr irritiert.
In Schwerin scheinen viele Leute zu denken, daß Lampen am Rad was für
Weicheier sind. Anders kann ich mir die hohe Zahl der Dunkelmänner und
-frauen (Schwarzfahrer ist auch schön!) kaum erklären. Richtig
erschrocken bin ich, als ich an einem dämmrig-nebligen Herbstabend ein
Kind gebeten habe, doch sein Licht am Rad anzumachen. Die Antwort war
nämlich “Ich hab doch gar keines!”. Auch die Eltern scheinen was gegen
Beleuchtung am Rad zu haben … oh Herr, schmeiß Hirn vom Himmel …
Gut aufpassen muß man auch, wenn man die Knaudtstraße entlangfährt. Vor
der Kreuzung mit der Bergstraße steht ein Straßenschild mitten auf dem
schönen neu angelegten Radweg. Ein echter SCHILDbürgerstreich sozusagen!
Aber ich lerne das Radfahren auch in Schwerin noch … habe doch radelnd
in Münster und Erlangen und sogar in Frankfurt/Main überlebt!
Susanne
Max ist auch für weitere Feedbacks dankbar.
Gern per Mail an Max.Radler<at>adfc-schwerin.de

